Marengo 1800
von Holger Barthen
14. Juni
Die Schlacht von Marengo
Der
Abend des 13. Juni bis zu den ersten Angriffen der Österreicher
Am
10. Juni zog sich Ott nach San Giuliano zurück. Als sich die Franzosen am
Nachmittag des 11. Juni näherten, ging Ott weiter über die Ebene nach
Alessandria, wo Kaim, Hadik und die Kavallerie gerade aus Turin eingetroffen
waren, um sich mit den Überresten von Elsnitz´ Truppen zu vereinigen. Der Brückenkopf
an der Bormida war am 9. Juni mit 14 Geschützen befestigt worden, verbunden
durch eine Bootsbrücke. Kleine Nachhuten waren in Aqui und Asti
und erwarteten Suchets Vorrücken. Das Bewachen der Depots und Rückzugswege
erforderte Besatzungen von Ancona und Florenz bis nach Cuneo und Turin, wodurch
die Melas zur Verfügung stehenden Streitkräfte in Alessandria auf 23.295
Infanteristen und 7.779 Reiter reduziert wurden.
Insgesamt
zählte Bonapartes operierende Armee 28.169 Männer mit weiteren 52.000 irgendwo
in Italien. Am Morgen des 10. Juni traf er in Pavia einen Spion, der Neuigkeiten
von Melas´ Stellungen brachte. Über die nächsten beiden Tage konzentrierte
der Erste Konsul seine Truppen rund um Voghera: Desaix mit den Divisionen unter
Boudet und Molitor, Lannes mit Watrins Division, Victor mit den Divisionen unter
Chambarlhac und Gardanne, Murat mit der Garde und die Masse der Kavallerie unter
Champeaux und Kellermann. Obwohl eine Anzahl österreichischer Garnisonen seine
Route behinderte, marschierte Suchet von Finale über die Appenninen nach
Norden, verstärkt durch die frühere Garnison von Genua und Massena.
Letzte
Pläne
Melas
erreichte Alessandria am 10. Juni. Sei erster Gedanke war, eine Schlacht
anzunehmen und er bat Admiral Keith, Hohenzollern in Genua weiter zu bersorgen,
sollte ein Rückzug dorthin nötig werden. Nach einem Kriegsrat am 11. Juni
jedoch übernahm Melas einen neuen Plan. Abgesehen von den französischen
Patrouillen bei Casale, schien es wenige feindliche Truppen nördlich des Po zu
geben, aber ihre Hauptmacht kam über die Straße von Montebello heran. Ein Rückzug
nach Genua wäre anstrengend gewesen und hätte die Österreicher den Angriffen
von Massena und Suchet ausgesetzt, die jetzt in die Berge südwestlich von
Alessandria vorrückten. An diesem Nachmittag wurden Befehle ausgegeben, den Po
bei Valenza und Casale während der Nacht des 12./13. Juni auf zwei Pontonbrücken
zu überschreiten. Ott, der noch die Scrivia überwachte, sollte sich nach
Alessandria zurückziehen, um die Bewegung zu decken. Vom Po aus würde die österreichische
Armee auf Mailand und Pavia marschieren, um die Hauptstraße östlich von
Piacenza wieder zu kontrollieren.
Plötzlich
änderte sich das Nachrichtenbild dramatisch. Der Außenposten in Valenza
berichtete, dass sich französische Verbände unter Chabran am Nordufer des Po
aufbauten. Der Albtraum des österreichischen Befehlshabers von einer
Einkreisung durch die Franzosen nahm Gestalt an: Bonaparte versperrte die Straße
nach Mantua; Thurreau überwachte Turin mit seiner Division; Chabran hilet die
Po-Linie von Valenza bis Pavia; Moncey blockierte die Schlüsselfestungen
einschließlich Mailand und Piacenza mit zwei Divisionen und der Cisalpinen
Legion. Im Osten schirmt Duhesme gegen Wukassowitschs Truppen ab, der jetzt
hinter dem Oglio war. Zur selben Zeit traf der örtliche Spion aus Bonapartes
Hauptquartier in Alessandria ein. Er berichtete, dass der Erste Konsul wissen
wollte, ob die Kaiserliche Armee den Po bei Valenza und Casale überschritt, ob
Hohenzollern von Genua her und über welche Route vorrückte und ob Elsnitz die
Hauptarmee erreicht hatte.
Melas
und Zach änderten nun die Zielrichtung. Sie würden eine Entscheidungsschlacht
fechten, um über die Hauptstraße nach Mantua auszubrechen und sich mit
Wukassowitsch zu vereinigen, obwohl dies eine Konfrontation mit der Armee des
Ersten Konsuls bedeutete. Zach entwickelte einen Trick, von dem er glaubte, er würde
die Franzosen auf die offene Ebene östlich Alessandria locken. Der Spion wurde
zurückgesandt, um Bonaparte zu erzählen, dass die Kaiserliche Armee nach den
bei Casteggio erlittenen Verlusten den Po überschreiten und ihren Weg durch
Pavia erzwingen würde. Er trug auch eine falsche Marschtabelle bei sich, die
zeigte, dass Hohenzollern seine 7.000 Mann starke Streitmacht von Genau nach
Norden bewegen würde, Novi am 13. erreichen und sich am 14. der Hauptarmee
anschließen sollte.
Um
die französischen Kundschafter zu verwirren, sollte noch eine Brücke bei
Casale gebaut und Boote bei Valenza gesammelt werden. Am 12. Juni wurde eine Brücke
aus 16 Pontons über die Bormida errichtet, 35 Meter stromaufwärts von der
Bootsbrücke. Um den französischen Kommandeur zu bestärken, sollte der Spion
ihm vorschlagen, dass bei rascher Bewegung via Sale eine Abfangen der zurückgehenden
Österreicher in der Nähe Alessandrias noch machbar wäre.
13.
Juni – Letzte Vorbereitungen
Bonaparte
überquerte am 13. Juni die Scrivia und besetzte Tortona, während Suchet in das
Tal der Bormida einrückte. Während dieses Tages bewegten sich die Divisionen
unter Desaix (Monnier und Boudet), Lannes (Watrin und Mainoni), die Garde und
Chambarlhac zu den Lagern rund um das französische Hauptquartier in Torre di
Garrofoli, wobei Gardannes Divsion geführt von Victor die Vorhut bildete.
Am
Morgen kehrte der Spion mit Zachs falschen Plänen in Bonapartes Hauptquartier
zurück. Nachrichten vom Nordufer des Po bestätigten österreichische Aktivität
am Fluss, während Kavallerie-Aufklärer von keinem Österreicher auf der Ebene
berichten konnten. Bis zu einem gewissen Maß ließ sich Bonaparte hereinlegen,
indem er schloss, dass Melas abziehe. Flankentruppen sollten den Rückzug im
Norden und Hohenzollerns Marsch von Genua her abdecken: Chabran wurde befohlen,
den Po zu überwachen, während Desaix mit Boudets Division südwestlich nach
Rivalta gesandt wurde, um nach Novi auf die Straße nach Genua zu gelangen.
Jedoch ließ sich der Erste Konsul nicht völlig täuschen: er war überrascht
von der Betonung auf Sale, nahe zum Tanaro, und dachte, Zachs Plan war ein
Versuch, die Franzosen an ihren Flanken zu überdehnen. Da er vermutete, dass
nicht alles so war wie es schien, bevorzugte er, eine dichte zentrale Position
zu behaupten, so dass der Hauptteil seiner Armee in Richtung Tortona und San
Giuliano befohlen wurde. Die meisten französischen Truppen marschierten durch
Sale, aber gingen weiter nach Süden zur Straße Turin-Mantua. Victors Kommando
zog weiter über die Ebene, um dort österreichische Aktivität hervorzurufen.
Als
ein starker Regen einsetzte, konzentrierte sich die österreichische Armee in
einem neuen Lager östlich von
Alessandria zu beiden Seiten des Brückenkopfes. O´Reilly, der Otts Nachhut anführte,
wurde nach Marengo zurückgezogen, mit Außenposten entlang des Fontanone, aber
abgesehen von einigen Kavalleriepatrouillen war das offene Gelände östlich der
Bormida leer.
Der
Spion kehrte während des späten Nachmittags mit der Nachricht, dass französische
Truppen die Hauptstraße nach Sale hinuntermarschierten, zurück. Zach war
erleichtert und vervollständigte seine Pläne: Ott, der bereits über die
Bormida war, sollte mit dem linken Flügel durch Castel Ceriolo direkt nach Sale
marschieren und die Franzosen angreifen, wo immer er auf sie traf. Die
Hauptkolonne, geführt von Melas, würde auf der Straße durch Marengo in
Richtung San Giuliano marschieren und in die Linke von Bonapartes Truppen
fallen, von denen erwartet wurde, dass sie entlang des Südufers des Tanaro
marschierten. Das erste Ziel würde die Festung Tortona sein, die noch von
Brigidos Garnison gehalten wurde. O´Reilly sollte seine leichten Truppen nach Südwesten
nehmen, um Suchets führende Einheiten zu überwachen, die rund um Novi vermutet
wurden.
Der
ursprüngliche Plan erforderte den Abmarsch der Truppen um Mitternacht für eine
Stunde, um den Rand des besseren Geländes zu erreichen und dann bis zum
Morgengrauen gegen 4.30 Uhr auszuruhen. Die Moral war gut und die Truppen waren
kampfbereit, obwohl der Tagesbefehl auf beiden Seiten die Männer anspornte, für
das Vaterland zu kämpfen, während Deserteuren mit sofortiger Exekution gedroht
wurde. Zach hielt es auch für notwendig, etwaige französische Bewegungen nördlich
des Po zu überwachen: die 2. Erzherzog-Josef-Husaren (1.097 Mann) wurden nach
Casale kommandiert und nur ein Teil der Nachhut in Asti wurde herbeigerufen. Der
Rest bewachte weiterhin die Straßen im Westen.
Schlacht
um Marengo am Abend
Plötzlich
kündigte gegen 18.00 Uhr das donnern der Artillerie im Brückenkopf Bonapartes
Entscheidung an, die von ihm angenommene österreichische Nachhut anzugreifen,
um sie festzunageln. Während des Nachmittags war Victors Division über die
Ebene marschiert und hatte die Straßengabelung nordöstlich von Cascina Grossa
erreicht. Gegen 16.00 Uhr wurde Gardannes Division die alte Straße hinauf
abkommandiert, unterstützt von Chamberlhac und den 11. Husaren, um O´Reillys
Linie anzugreifen, aber Dampièrre mit einem Teil der 44. Halbbrigade und den
12. Jägern zu Pferd marschierte die neue Straße hinab, die sie über den
Fontanone und hinter die Österreicher bringen sollte. Nach einem kurzen
Regenguss griff Victor die österreichischen Linien an. Die Grenzer lieferten
entschlossenen Widerstand und Gardannes überraschender Bajonettangriff auf das
Dorf ließ überall Verluste zurück. Als Dampièrre nach Süden vordrang und
die österreichischen Verluste auf 250 wuchsen, wusste O´Reilly, dass er sich
zurückziehen musste, um nicht von der Hauptarmee abgeschnitten zu werden.
Gardanne
folgte und richtete seine Hauptstellung rund um den Landhof von Pedrabona ein, während
ein Schwarm Plänkler sich seinen Weg zu den Ufern der Bormida bahnte. Das
Infanterieregiment 51 Splenyi und die 10. Lobkowitzer Dragoner, die im nächsten
zu den Brücken über die Bormida lagerten, marschierten herbei und griffen
Gardanne an. Sie wurden von drei Batterien unterstützt, die gemeinsam mit den
Geschützen im Brückenkopf das Feuer eröffneten, und zwangen Gardanne nach
Pedrabona zurück, als sich Vogelsangs Brigade ihnen anschloss.
Trotzdem
warf Victors Angriff die österreichischen Pläne völlig über den Haufen: der
wichtige Übergang über den Fontanone bei Marengo war in französischer Hand.
Nachdem die Truppen gesammelt waren, verzögerte sich der Angriff bis 8.00 Uhr,
um den Männern Zeit zu geben, sich vor dem Abmarsch noch zu verpflegen. Der österreichische
Stab traf sich in der Nacht und Radetzky schlug vor, eine der Pontonbrücken
stromabwärts zu verlegen, um die französische Rechte auszuflanken, aber es war
bereits zu spät. Zach war sich sicher, dass die Hauptmasse der Franzosen bei
Sale war und glaubte, der Plan solle unverändert bleiben.
In
Dunkelheit und Nebel konnten viele französische Aufklärer nicht die Brücken
über die Bormida sehen. Diese fehlerhaften Berichte und der begrenzte
Widerstand in Marengo bestärkten Napoleons Ansicht, dass die Österreicher
nicht diesen Weg nehmen würden.
Der
Morgen des 14. Juni: die Österreicher rücken vor
Als
das erste Tageslicht am 14. Juni hervorbrach, formierten sich die Österreicher,
während an beiden Ufern der Bormida vereinzelt Schüsse fielen. Es war ein
herrlich strahlender Tag, ein kühler Westwind milderte die Hitze der Sonne. Um
8.00 Uhr bewegten sich die führenden Einheiten auf die beiden Bormidabrücken.
Sie waren nahe beisammen, als es in den Brückenkopf ging, der nur einen Ausgang
über eine Straße hatte, von morastigem Boden umgeben. Das Schlachtfeld war
nicht einfacher zu begehen: obwohl das Gelände zwischen Alessandria und Tortona
vorwiegend eben war, konnte man nur schwierig manövrieren. Eingezäunte
Anbaufelder, unterbrochen von Wassergräben, Weiden und Büschen, beschränkten
die Sicht in alle Richtungen, machten die Kommunikation und Koordination der
Einheiten problematisch. Die Sicht wurde auch durch Weinreben behindert, von
denen viele zwischen hohen Bäumen hingen. Das Korn wuchs im Juni über 1,80
Meter und die Hecken entlang der wenigen Straßen machten die Ausrichtung der
Truppen noch schwieriger. Wenn man den harten Straßenbelag verließ, wurde die
Bewegung der Truppen über die feuchten Wiesen verlangsamt. Das dürftige
Netzwerk der Straßen war der Schlüssel für die Truppenbewegung: auch auf der
Ebene konnte die Kavallerie nur in kleinen Einheiten operieren und die
Artillerie konnte nur auf oder in der Nähe der Straßen effektiv sein.
O´Reillys
Kolonne führte den Marsch an: eine Schwadron der 8. Husaren und drei
Grenzerkompanien leiteten den ersten Angriff auf die französischen Außenposten
ein, die auf Gardannes Position in Pedrabona, der ersten von vielen kleinen
Festungen an diesem Tag, zurückfielen. Als die Hauptkolonne der Vorhut unter
Oberst Frimont in Linie herankam, wandte sich O´Reilly nach Süden und überließ
es Frimont, das Landgut zu erobern. Die Österreicher eröffneten mit 14 Geschützen
ein heftiges Sperrfeuer auf Gardanne, worauf die Franzosen bald auf den Rest von
Victors Truppe, die rund um Marengo stand, zurückging. Von der österreichischen
Kavallerie gejagt, rannten Gardannes Männer über die Fontanonebrücke und
bezogen ausgerichtet nach Norden Stellung entlang des Flusses.
Gegen
9.00 Uhr, eine Stunde nachdem der Vormarsch begann, trafen Nachrichten vom nervösen
Rittmeister Civrani in Acqui ein, die besagten, dass die Spitze einer französischen
Kolonne seine Position erreicht hätte und ihn zurück auf Alessandria trieb.
Melas dachte, Suchet würde in Stärke angreifen - tatsächlich war dessen
Hauptmasse 50 km von Aqui entfernt – und kommandierte die zwei
Husarenregimenter aus Nimbschs Brigade ab, die gerade die Brücke überquert
hatten, um die Außenposten zu verstärken, womit er auf fatale Weise seine
Kavallerie schwächte. Zur gleichen Zeit erließ Napoleon Befehle an Desaix, die
dessen Marsch in Richtung Novi bestätigten und an Lapoype, der seine Division
von Pontecurone nördlich über den Po in Richtung Valenza senden sollte.
Der
erste Angriff
Berthier
befahl Victor, seine Position zu halten, um den österreichischen Angriff
aufzufangen und herauszufinden, wie ernsthaft dieser war, während er wegritt,
um Napoleon zu holen. Lannes Division marschierte rasch heran, aber der Großteil
der Armee war noch rund um Torre di Garrofoli. Eine Anzahl von Boten traf während
des Morgens ein, aber Bonaparte glaubte weiterhin, dass die österreichische
Bewegung nichts weiter als eine Finte wäre.
Frimont
bewegte sich nach Norden, um Hadik zu erlauben, sein erstes Treffen unter dem
Schutz seiner Bataillonsgeschütze aufzustellen, mit Frimonts Batterie als
Unterstützung in Vorbereitung für den Vormarsch. Es folgte Kaims Division als
zweite Linie, dahinter kam die übrige Kavallerie unter Elsnitz und die
Reservekanonen, die nun allmählich aus dem Brückenkopf
auftauchten.
Oliver
Rivaud verteidigte mit der 43. Halbbrigade das Dorf. Anfangs positionierte er
das 1. Bataillon zwischen dem beachtlichen Landgut und der Hauptstraße. Die
anderen beiden Bataillone wurden zusammen mit Chambarlhacs Brigade (96.
Halbbrigade und 24. Leichtes Regiment) auf der Straße in Richtung des Gasthofes
in Reserve gehalten. Es war von großer Bedeutung dieses Gebiet zu halten, da
der Gutshof die Straße und die Holzbrücke über den Fontanone beherrschte.
Weiter östlich gab es einige Gebäude, die das Dorf selbst bildeten. Champeaux´
Dragonerbrigade wurde im offenen Gelände hinter dem Dorf aufgestellt, während
Kellermanns schwache Regimenter im Südwesten hinter Gardannes neuer Linie am
Fontanone waren.
Nachdem
man die Verteidiger für etwa eine Stunde mit Haubitzengranaten weichgeschossen
hatte, führte Hadik persönlich kurz vor 10.00 Uhr die vier ungarischen
Bataillone aus Bellegardes Brigade nach vorn. Sie erreichten den sumpfigen Boden
am Fonatnone, kamen aber unter zunehmendes Feuer vom 1. Bataillon der 43.
Halbbrigade südlich Marengo sowie noch verstärkter von Gardannes Truppe, die
ihre Musketen gut gedeckt am Fontanone in den rechten Flügel abfeuerten.
Trotzdem drängten zwei Bataillone des Infanterieregiments 52 in den Graben, während
das Infanterieregiment 53 rechts gegen Gardanne vorging. Zunächst dachte Hadik,
als die letzten Grenadiere der 101. Halbbrigade über die Brücke gejagt wurden,
die Franzosen würden sich aus dem Dorf zurückziehen und spornte seine Männer
weiter an. Jedoch konnten die Österreicher in diesem blutigen Kampf wenig
Fortschritt erzielen und als Victor das 24. Leichte Regiment über die Hauptstraße
heranführte, brach der österreichische Vormarsch zusammen. Gerade als er den Rückzug
befahl, wurde Hadik durch eine Musketenkugel schwer verwundet und sollte zehn
Tage später in Alessandria der Verletzung erliegen.
Das
24. Leichte Regiment bezog links von Gardanne Position, von wo es auch auf O´Reillys
kleine Kolonne feuern konnte, die sich nun gegen Dampièrre bewegte, der auf
Gardannes Linker geblieben war und mit einer Abteilung der 44. Halbbrigade und
einem leichten Geschütz den Schlüsselpunkt von La Stortiglione hielt. Dampièrre
hatte seine Stellung in diesem Gutshof eingerichtet, der an einer engen Geländelücke
von Weingärten umgeben zwischen Bormida und Fontanone lag. Gegen Mittag wurde
er von Ismerts 11. Husaren verstärkt, die man von der äußersten Linken zurückbeordert
hatte.
Der
zweite österreichische Angriff
Kaims
Treffen ermöglichte es Hadiks Truppen, zurückzugehen und sich hinter ihm neu
zu formieren. Gegen 10.30 Uhr richtete Kaim in einem größeren und besser
koordinierten Angriff seine Division auf Marengo, wobei das Infanterieregiment
47 die Rechte deckte und österreichische Geschütze die Franzosen an der Brücke
mit Kanisterfeuer beschoss. Französische Truppen, die sich über den Fonatanone
gewagt hatten, wurden rasch mit dem Bajonett zurückgewiesen, die Österreicher
wiederum machten wenig Fortschritte beim Überqueren des tiefen und morastigen
Grabens. Bellegards Männer hatten sich auf Kaims Linker gesammelt, wo Teile der
Brigade einen leichteren Übergang fanden, der von Victor nicht bewacht wurde.
Unterstützt durch Bussy-Jäger zu Pferd hielt die Infanterie auf den
Barbotta-Hof zu, aber Bellegarde wurde verwundet, ein weiterer Verlust in der
wachsenden Liste von hohen Offizieren, die von französischen Scharfschützen außer
Gefecht gesetzt wurden.
Der
österreichische Halt auf Barbotta war von kurzer Dauer. Gegen 11. 00 Uhr trafen
die führenden Teile von Lannes Division ein, um Victors ausgedehnte Rechte zu
verkürzen. Das 6. Leichte Regiment schloss sich Rivauds Rechter nahe Marengo
an. Die 22. Halbbrigade, die zunächst Barbotta von Bellegardes Männern säuberte,
wurde dann in der Rechten der französischen Linie verankert. Eine Abteilung des
6. Leichten Regiments wurde nach Norden zum Dorf Castel Ceriolo abkommandiert,
um nach österreichischen Flankenmanövern Ausschau zu halten. Als Watrins
Division die Österreicher zurückwarf und stellenweise den Fonatanone überschritt,
hielt Lannes die 28. und 40. Halbbrigade in Reserve.
Der
zunehmende Kampflärm im Westen und Berthiers Eintreffen im Hauptquartier änderten
schließlich Napoleons Sinn: um 11.00 Uhr wurden Boten an Desaix und Lapoype
gesandt, um diese dringend zurückzurufen, als Monniers Division über die Straße
nach vorn geschickt wurde. Bei Rivalta, 15 Kilometer südöstlich von Marengo,
wurde Desaix´ geplanter Übergang durch die reißenden Wasser der Scrivia verzögert.
Das 9. Leichte Regiment war bereits hinüber, aber erst um 10.00 Uhr konnten
Guenands Infanterie und die Artillerie mit dem Übergang beginnen. Als Melas
gegen Mittag mit den Vorbereitungen für einen dritten Angriff begann, erreichte
eine verzweifelte Botschaft von Bonaparte Desaix: „Melas hat mich zuerst
angegriffen. Komme um Gottes willen, wenn Du noch kannst!“
Der österreichische Ausbruch
Verzögert durch den Abzugsbefehl an Nimbsch und dessen abermaliges Überqueren der Bormida konnte Otts Kommando seinen Marsch auf der Straße in Richtung Castel Ceriolo erst 10.30 Uhr beginnen, wobei sich Frimonts Infanterie auf dem Weg anschloss. Sumpfiger Boden zwang sie, in einer engen Front zu bleiben, und es war kurz vor Mittag, als General Gottesheims Vorhut die französischen Truppen in Castel Ceriolo sichtete. Ein rascher Angriff dieses erfahrenen Kommandeurs zwang die wenigen Außenposten des 6. Leichten Regiments ihre Positionen zu verlassen, viele verfolgt von der Kavallerie der Österreicher auf der Straße nach Sale. Als Gottesheims Infanterie aus dem Dorf vordrang, konnte sie sehen, dass das offene Gelände im Osten frei von französischen Truppen war. Als Ott um 12.20 Uhr nördlich des Dorfes eintraf, kehrten die ersten Kavallerieaufklärer mit dem Bericht zurück, dass es kein Zeichen von der großen französischen Kolonne gab, die Zach von Sale her erwartet hatte. Gefangene bestätigten, dass sie von den Einheiten im Süden stammten. Ott schlussfolgerte daraus: Zachs Plan war möglicherweise falsch und es gab keinen Anlass, ohne Unterstützung der Hauptkolonne, die noch hinter Marengo festsaß, nach Osten zu marschieren. Ein Schlag in Lannes rechte Flanke würde den französischen General zwingen, seine Reserven einzusetzen und Victors Fähigkeit, der österreichischen Hauptkolonne Widerstand zu leisten, verringern. Jedenfalls schienen die Franzosen nicht in großer Stärke hier zu sein, so dass er noch die Möglichkeit einer aus Nordosten kommenden großen Streitmacht in Betracht zog.
Als Gottesheims zwei Dragonerschwadronen weiter die Straße nach Sale hinaufgesandt wurden, befahl Ott den Rest seiner Vorhut, Lannes´ Rechte anzugreifen, unterstützt von einem zweiten Bataillon des Infanterieregiments 28. Als die übrigen vier Schwadronen der Dragoner eintrafen, wurden sie nach Südosten gesandt, um durch ein Eindrehen in Richtung Buzana Lannes´ Rücken zu bedrohen und die Wege nach Osten aufzuklären. Gottesheim marschierte mit seinen Männern nach Süden, die kleine Abteilung der Mariassy-Jäger führte mit zwei Geschützen an. Der Rest von Otts Division blieb nördlich von Castel Ceriolo mit Frimonts zwei Leichten Infanteriebataillonen im Dorf.
Als Gottesheim sich gegen 12.45 Uhr dem Gutshof Barbotta näherte, wusste Lannes, dass er sich einer ernsten Bedrohung seiner offenen rechten Flanke gegenübersah. In einer verhängnisvollen Bewegung wurde ein Bataillon des 22. Regiments aus Watrins Linie herausgenommen und sollte rechts des Gutshofes Barbotta eine neue Flanke bilden. Aus seiner Reserve sandte Lannes die Reste der schlachterprobten 28. Halbbrigade unter General Mainoni, um diese Flanke auszudehnen. Fast ohne Munition bildeten sie ein Karree. Als dann die österreichischen Dragoner im Nordosten auftauchten, wurde Lannes gezwungen, seine letzte Truppe, die 40. Halbbrigade, einzusetzen, um den Rückraum zu füllen. Zu Lannes´ Linker wurden Victors Truppen zunehmend müde und die Munition ging allmählich aus. Nur Oliver Rivaud war nördlich der Straße, hielt sich in Marengo mit zwei Bataillonen der stark geschrumpften 43. Halbbrigade.
Eine Änderung des Plans
Als Kaims Männer gegen Mittag vom zweiten Angriff zurückfielen und sich selbst neu ordneten, erkannte Melas, der österreichische Befehlshaber, dass Zach auf eine Art großen Flaschenhals getroffen war. Um diesen aufzubrechen, würde es das Beste sein, Kavallerie und leichte Artillerie auf Gardannes Linke zu werfen, da die Franzosen die nun beschädigte Brücke über den Fontanone deckten. Ohne Kenntnis von Gottesheims Vormarsch konzentrierte er sich darauf, die französische Linke auszuflanken, um dann einen Hammerschlag gegen das Zentrum folgen zu lassen.
O´Reillys Abteilung wurde noch bei La Stortiglione niedergehalten, aber einige seiner Grenzer griffen Gardannes Flanke an. Der Weg zu einer kleine Furt durch den Fontanone im Südwesten, der hinter das Ende der französischen Linie führte, war klar erkennbar. Pilattis neun Schwadronen (1. Kaiser- und 4. Karaczay-Dragoner) wurde befohlen, den Fluss an diesem Punkt zu überqueren, um Gardanne im Rücken zu nehmen. Es war eine anstrengende Überquerung, als jeder Mann sein Pferd durch den sumpfigen Wasserlauf und am anderen Ufer hinauftrieb, geführt von den drei Schwadronen der 1. Kaiser-Dragoner unter Major Kees. Sie wurden gerade formiert, als zu ihrer Überraschung die österreichische Kavallerie von Kellermanns Reitern entdeckt wurde. In einer klassischen Attacke befahl Kellermann zunächst den 8. Dragonern, Kees anzugreifen, während seine drei schweren Regimenter, nur 640 Mann stark, sich dahinter in Linie formierten. Kees Männer griffen die 8. Dragoner an, zwangen diese zurück hinter Kellermanns Hauptlinie, als die 4. Karaczay-Dragoner die Überquerung fortsetzten. Bevor diese Aufstellung abgeschlossen war, setzte Kellermann seine schwere Welle an, die sich auf die 1. Kaiser-Dragoner stürzte und diese auf ihre noch nicht formierten Kameraden zurücktrieb. Obwohl Kees und einige seiner Männer versuchten, die Franzosen aufzuhalten, erfasste rasch Panik die Truppen Pilattis. Ein Gewirr von Menschen und Pferden stürzte durch das Dickicht zurück in den Graben, verfolgt von französischen Säbeln und Musketenkugeln. Wer zurückblieb, wurde niedergehauen oder gefangengenommen; vorn erstickten am Grund des Grabens. Weidenfelds Grenadiere wurden hastig in Marsch gesetzt, um den panischen Rückzug zu decken und einen französischen Vormarsch zu verhindern, der O´Reilly hätte abschneiden können.
Im Norden hatten sich Otts zwei Dragonerschwadronen bis hinter Lobbi (3 km nordöstlich von Castel Ceriolo) getraut, wo sie einen kurzen Zusammenstoß mit einer französischen Husarenschwadron, der führenden Einheit von Jean Rivauds Kavallerie, hatten, aber es gab noch kein Zeichen von einer großen Streitmacht.
Der
dritte Angriff
Entlang der Fontanone-Linie hatte die sich gegenüberstehende Infanterie nur den Graben zwischen sich; Schüsse wurden auf 10 Schritt Entfernung gewechselt und Linien von Männern lagen gefallen auf dem morastigen Boden. Viele österreichische Geschützmannschaften, welche die Angriffe unterstützten, wurden bis auf zwei Männer reduziert und es gab viele tote Pferde. An der Front mit Bellegardes Bataillonen auf Nahdistanz beschäftigt, geriet Lannes auf seiner Rechten unter wachsendem Druck. Melas erkannte jetzt, dass Gottesheim, die Aufgabe übernahm, die ursprünglich Pilatti zugedacht war. Während sich Lannes auf diese doppelte Bedrohung konzentrierte, bereitete Kaim den österreichischen Hauptschlag vor.
Unterdessen setzte das Infanterieregiment 47 den Angriff auf Gardanne im Westen fort und Kaim zog den Rest seiner Division etwas zurück, um die Verluste zu mildern. Dort befahl er sie für den dritten Angriff mit Bellegardes wieder gesammelten Bataillonen weiter im Norden zurück. Die österreichische Infanterie wühlte sich wieder zu den sumpfigen Ufern des Fontanone unter einem Hagel Musketenkugeln von Rivauds und Lannes´ Männern vor. Melas war mit seinem Stab weiter nach vorn gekommen und befahl Lattermann mit seinen fünf Grenadierbataillonen zur Unterstützung von Kaims Linie, die Melas persönlich nach vorn führte.
Auf Kaims Linker war schließlich Major Graf Hardegg, Kommandeur der Pioniere, mit der Brückenausrüstung eingetroffen. Als das 6. Leichte Regiment sich nach Norden bewegt hatte, um die Lücke in Lannes´ Linie zu füllen, nachdem die 22. Halbbrigade herausbewegt worden und Rivaud rund um Marengo festgenagelt war, hatte sich ein Loch in der französischen Linie auf dem mit Dickicht bedeckten sumpfigen Boden in der Nähe des kleinen Grabens nördlich des Dorfes geöffnet. Unter schwierigen Bedingungen waren einige Pioniere bereits im Graben und versuchten die 10 Meter langen Trägerbalken auf der anderen Seite zu sichern, gedeckt von Scharfschützen. Unter Zeitdruck befahl Hardegg anderen, hineinzuspringen. Bis zur Brust in Schlamm und Wasser stehend, legten 17 Männer ihre Hände auf die Schulter des Vordermanns und zogen ihre Köpfe ein, um eine menschliche Brücke zu bilden. Ein Bataillon vom Infanterieregiment 63 lief sofort hinüber, um die Scharfschützen unter den Hecken auf der anderen Seite zu verstärken, während La Marseilles Batterie zur Unterstützung Kanister feuerte und weitere Pioniere in den Graben sprangen, um weitere Überquerungen zu schaffen. Der Geschützdonner veranlasste Lannes, eine Batterie heranzubringen, um die Österreicher anzugreifen. Kaim war in der Lage, dieser Bewegung zu begegnen und befahl eine Reservebatterie zur Unterstützung, als Major Perczel mit seinen Geschützen eintraf. Beide Seiten wechselten Artilleriefeuer, als zwei Pionierkompanien ihre Laufbrücken abschlossen.
Als das Bataillon des Infanterieregiments 63 und die Scharfschützen der Pioniere das 6. Leichte Regiment auf Lannes´ Linker angriffen, wurden zwei von Lattermanns Grenadierbataillonen von ihrem Brigadekommandeur schnell über die Laufbrücken umdirigiert und stürmten über den sumpfigen Boden in Richtung Marengo. Hinter ihnen kamen Frimonts Dragonerschwadronen, als Bellegardes Truppen begannen, den Fontanone zu überschreiten, um die 22. Halbbrigade direkt frontal anzugreifen, während auf der rechten Flanke des französischen Generals noch Gottesheims Vorhut drohte. Lannes sah sich ernsthaft einem konzentrischen Angriff ausgesetzt, Rivaud war ebenfalls unter Druck, so dass er Gefahr lief, abgeschnitten zu werden, als sich seine Unterzahl auszuwirken begann. Nach drei Stunden Kampf und mit wenig Munition konnten seine müden Männer nicht länger: Watrins Brigade brach ab und rannte in die Sicherheit der nahen Weinfelder, verfolgt von Frimonts Dragonern.
Hinten inmitten der Weinfelder ordnete Watrin seine Männer neu und Lannes bereitete sich zum Gegenangriff vor, als Champeauxs Kavallerie zwei Attacken in die 10. Lobkowitz-Dragoner einleitete, um den Druck vom 40. Regiment zu nehmen. Zur gleichen Zeit eilte General Rivaud mutig mit den letzten Reserven Victors – den dritten Bataillonen der 43. und 96. Halbbrigade – durch das Dorf nach vorn. Als Lannes das Infanterieregiment 63 zurücktrieb, drohten Lattermanns Bataillone abgeschnitten zu werden, gerade als Rivaud wieder mit seinen frischen Bataillonen angriff. Anhaltendes Feuer wurde in die Grenadiere geschüttet, die ungeachtet einer verlustreichen Attacke der beiden Schwadronen der 1. Kaiser-Dragoner aus dem Dorf getrieben wurden und sich zum Fontanone zurückzogen. Beide Seiten standen sich an einem kleinen Graben nahe des Fontanone gegenüber, der die Nordseite des Gutes abdeckte. Ein heftiger Feuerkampf auf Nahdistanz entwickelte sich, in dem höhere Offiziere beider Seiten, eingeschlossen Rivaud und Lattermann, schwer verwundet wurden.
Gardannes Position auf der französischen Linken wurde auch immer prekärer: gegen 14.00 Uhr vertrieb O´Reilly schließlich Dampièrre aus La Stortiglione. Er sandte Schustekhs Kavallerie mit den 3. Ogulin-Grenzern hinter ihm her, seine restlichen Grenzer griffen Gardannes Linke an, die sich mit einem Bataillon des 24. Leichten Regiments nach Süden ausgedehnt hatte. Trotz der Verstärkung mit zwei Bataillonen der 96. Halbbrigade, begann Gardanne an seiner Widerstandsfähigkeit zu zweifeln.
Marengo
fällt
Ebenso beunruhigt, konnten Kellermann und Gardanne nun den nächsten österreichischen Schlag sehen: Nobilis Kavalleriebrigade wurde formiert, um auf die beschädigte Brücke zu attackieren und Victors Linie zu spalten, wobei die leichten Geschütze der Österreicher bereit standen, jeden Vorteil auszunutzen. Zum Schutz gegen diese unmittelbare Bedrohung formierte sich Kellermann an der Straße, wieder mit den 8. Dragonern in der Front. Als Nobilis Brigade gegen 14.15 Uhr herüberströmte, rannten die Reste der 43. Regiments in den Schutz des Landguts, während einige österreichische Dragoner Soldaten der 96. Halbbrigade niedersäbelten. Noch nicht voll im Einsatz, wurden die 3. Erzherzog-Johann-Dragoner von den 8. Dragonern attackiert, schlugen diese aber zurück. Nochmals führte Kellermann seine Männer heran und schickte die österreichischen Dragoner über die Brücke zurück, wobei die 9. Lichtenstein –Dragoner in Auflösung gerieten. Obwohl ohne Erfolg, hatte Nobilis Attacke Victor den letzten Hieb versetzt. Ohne Munition, waren Gardannes Männer bereits unter dem Schutz der 96. Halbbrigade zurückgegangen. Da ihm keine Reserven geblieben waren, entschied Victor, seine gesamte Linie in den Schutz der Weingärten von Spinetta zurückzuziehen und Rivaud auf die gleich Linie weiter im Norden. Lannes sollte die Rechte decken.
Als die französische Position dem Zusammenbruch nahe war, ritt Gottesheim nach Castel Ceriolo zurück, um weitere Truppen anzufordern und erhielt Schellenbergs Division. Die Division marschierte in einer langen Kolonne durch das Dorf nach Süden, Retz´schwächere Brigade vor der von Sticker. Vogelsangs Division blieb nördlich des Dorfes.
Als die österreichische Armee schließlich begann, Schwung aufzunehmen und Victor sich zurückzog, überquerten die anderen drei Grenadierbataillone und der Rest des Infanterieregiments 63 die Laufbrücken, um ihre Kameraden zu verstärken. Major Perczel, der die nahen französischen Geschütze zum Schweigen gebracht hatte, richtete nun seine Reservebatterien auf das Landgut von Marengo, das von etwa 400 französischen Infanteristen besetzt war, viele von ihnen verwundet. Als Lattermanns zweiter Angriff heran kam, verließen Rivauds erschöpfte Männer das Dorf. Bellegards Bataillone wurden vom Infanterieregiment 63 verstärkt, als die Bussy-Jäger die nahen Geschütze herbeibrachten. Angesichts der österreichischen Artillerie befahl Lannes Watrin zur Sicherheit in Linie mit Victor zurückzugehen.
Als Chamberlhacs zwei Bataillone der 96. Halbbrigade zusammen mit Kellermanns Reitern versetzt zurückgingen, ertönte gewaltiger Jubel aus den österreichischen Reihen und Melas ergriff seine letzte, glänzende Gelegenheit. Der altgediente Kavalleriebefehlshaber sammelte die Reste der 1. Kaiser-Dragoner um sich und führte sie mit Radetzky über die Brücke und auf die Straße hinab. Der Weg war für die Hauptkolonne schließlich offen. Die Pioniere arbeiteten hastig, um die wichtige Brücke für die Artillerie wieder befahrbar zu machen. Etwa hundert freiwillige Plänkler führten die Infanterie an, schirmten die Aufstellung der Geschütze ab, die zu Lattermanns Grenadieren gehörten. Einige von Perczels Reservekanonen wurden rasch herübergebracht, um ein Sperrfeuer auf Gardannes Männer rund um Spinetta zu legen. Als Melas seine Kommandeure versammelte, führte Rittmeister Touissant die Dragonerschwadronen hinter den Gutshof, schnitt so dessen Verteidiger ab, die sich ergaben.
Während der letzte österreichische Angriff auf Marengo lief, verfolgte O´Reilly Dampièrre im Süden, schnitt diesen in Casina Bianca ab. Nach einem kurzen Gefecht jagten Oberts Schustekhs Husaren die 11. Husaren davon und ritten in den Rückraum des Guts, als das 3. Bataillon der Ogulin-Grenzer dessen Front angriff. Um 15.00 Uhr ergaben sich die Reste der 44. Halbbrigade. O´Reilly hielt dann auf Frugarolo zu, um die österreichische Rechte zu decken und die Straße nach Novi und Genua zu beobachten, nach Desaix und Suchet Ausschau haltend. Aus der Festung Tortona hatte Brigido am frühen Nachmittag einen kurzen Überfall eingeleitet, als die Armee durchbrach. Im Südwesten hatten zwei Husarenschwadronen von Nimbsch Suchets Dragoner die Straße von Cantaluopo in Richtung Acqui zurückgejagt, wobei eine große Anzahl Gefangener gemacht wurde. Der Rest hatte die Bormida überquert und überraschte gegen Mittag bei Castellazo die 12. Jäger zu Pferd. Diese französische Kavallerie wurde dann fast den gesamten Nachmittag nach Osten gejagt.
Als Schellenbergs Kolonne abmarschiert war, hatte Ott den 10. Lobkowitz-Dragonern, die über den nördlichen Teil des Schlachtfeldes verstreut waren, befohlen, sich wieder zu sammeln, um einer neuen Gefahr begegnen zu können. Die Trompeten erklangen, aber es sollte eine halbe Stunde dauern, bis man sich neu formiert hatte. Als das Musketenfeuer rund um Marengo nachließ, kamen die Ereignisse auf der österreichischen Linken zum Abschluss.
Bonapartes
letzter Versuch
Gegen 14.00 Uhr kam der Erste Konsul von San Giuliano herangeritten, um die Position selbst zu sehen. Als er gegen 15.00 Uhr den Schauplatz erreichte, konnte er sehen, wie Victor und Lannes ihre neue Verteidigungslinie nördlich von Spinetta in den Weingärten einrichteten; Champeauxs Kavallerie (ohne ihren Kommandeur) war zwischen den beiden Divisionen. Ein Strom Verwundeter bahnte sich seinen Weg über Straßen nach Osten. Die Gefahr einer kompletten Einkreisung wuchs, als Gottesheims Vorhut auf die Rechte drückte und immer mehr österreichische Truppen mit Artillerie in Richtung Spinetta marschierte, um seinen linken Flügel zu umgehen und seine Hauptverbindungslinie abzuschneiden. Eine vernichtende Niederlage konnte nur abgewandt werden, indem man Zeit für die Rückkehr von Desaix und seiner 9.000 Soldaten gewann.
Napoleon entschied, seine letzten Reserven einzusetzen, die über den Weg von Buzana heranbewegt wurden, um Ott aufzuhalten. Ein Bataillon der 72. Halbbrigade wurde angewiesen, sich der Rechten von Lannes´ Linie anzuschließen, um gegen Gottesheims Vormarsch zu helfen. Monnier wurde befohlen, Ott aufzuhalten, indem er eine ausgedehnte Linie nach Norden in Richtung Castel Ceriolo fomierte. Die Gardekavallerie würde als letzte Reserve bleiben, als die Garde-Grenadiere hinter Victors Rechter heranmarschierten, um Munition zu verteilen und als zentrale Reserve bereitzustehen.
Monnier war anfangs gezwungen, in dichten Formationen zu marschieren, da es gelegentliche Dragoner-Attacken gab, und sah überrascht diese plötzlich verschwinden, um sich zu formieren. Monnier stand mit zwei Bataillonen der 72. Halbbrigade in Reserve und sandte Carra St.-Cyr, um einen Überraschungsangriff auf Castel Ceriolo aus dem unbewachten Südosten einzuleiten. Die 70. Halbbrigade marschierte in Richtung einer Position auf halbem Weg zwischen dem Dorf und Lannes´ Rechter, um die französische Linie auszudehnen, aber als ihre Plänkler Schellenbergs Männer sahen, die sich vor ihnen nach Süden bewegten, entschieden sich die Kommandeure für die sichere Variante und bewegten sich näher zu Castel Ceriolo. Schilts zwei Bataillone des 19. Leichten Regiments eroberten das Dorf gegen 15.00 Uhr zerstreuten die kleine Garnison auf dem sumpfigen Gelände am Cavo. Rasch richteten die Franzosen ihre Positionen in einigen Häusern am nördlichen Dorfeingang ein. Von hier aus konnten sie Vogelsangs Kolonne sehen, die sich bald formierte, um Schilts Männer aus der Schlüsselstellung zu vertreiben. Als die österreichische Artillerie gegen 15.45 Uhr das vorbereitende Feuer eröffnete, zog sich Schilt zusammen mit der 70. Halbbrigade den Weg nach Villanuova zurück.
16.00
Uhr: die Garde ist zerstört
Als sich Lannes und Victor zurückgezogen hatten, begannen Schellenbergs Truppen von Castel Ceriolo her vorzudringen. Napoleon nahm an, dass dies Ott´s Hauptbewegung war, um durch die Lücke, die sich in seiner Linie geöffnet hatte, nach Osten zu stoßen. Er dirigierte die Garde-Infanterie neu, um das Loch zu füllen und Otts erwartetem Angriff entgegenzutreten. Die Garde marschierte hinter Lannes in offener Kolonne heran, platzierte ihre Plänkler zu ihrer Linken etwa 40 Meter von der Hauptformation, den Graben des Cavo als Schutz nutzend.
Als sie sich vorher zurückgezogen hatten, berichteten die Aufklärer der Lobkowitz-Dragoner von einer kleinen Kolonne, die sich durch die hohen Kornfelder bewege; ihre roten Federbüsche ließen sie als Bonapartes Garde erkennen und waren vermutlich seine letzten Truppen. Jetzt konnte Gottesheim die Garde wieder sehen, die sich auf Schellenbergs Linke zu bewegte, um sie auszuflanken. Die vier Schwadronen der 10. Lobkowitz-Dragoner waren nun völlig neu formiert und stürzten sich auf die Creme von Bonapartes Infanterie. Harrach führte die Dragoner, die in Linie vorgaloppierten, direkt in einen Hagel von Musketenbällen der Plänkler und Kanisterfeuer der 4-Pfünderkanonen. Ohne Fortschritt zu machen, zog sich die Kavallerie nordwärts zurück. Sie waren die einzige berittene Bedrohung für Lannes gewesen, der nun fast in den Weingärten war. Da der nicht länger den Schutz von Champeauxs Kavallerie, jetzt geführt von Murat, benötigte, ging diese an die Verfolgung von Harrachs Reitern. Als sie sich nach Norden bewegte, wurde die Linke von Schellenbergs Division bedroht, die nach Süden kam. Stickers Kolonne, angeführt vom Infanterieregiment 51, marschierte auf dem mittleren Weg. Als Murat auftauchte, löste sich das 1. Bataillon sofort von der Spitze der Kolonne. Mit gesenktem Bajonett ging es furchtlos auf Murats Kavallerie los. Unter den Klängen seiner Kapelle ließ es ein donnerndes „Hurra“ los, bevor eine Salve gefeuert wurde, um die französische Kavallerie auf den Weg, den sie gekommen war, zurückzuschicken. Die Garde setzte ihren Marsch zur vorgesehenen Position fort, einem kleinen Verbindungsweg 1 Kilometer südöstlich von Castel Ceriolo.
Ausgerichtet auf die Spitze von Schellenbergs Kolonne, drehte die Garde nach links, um sich in Linie gen Westen aufzustellen, als die ersten Truppen der Österreicher den Cavo di Fontanone zu überqueren begannen. Gottesheim, der im südlichen Teil von Otts Abschnitt war, drehte sofort die führenden Einheiten, um nach Osten zu marschieren, wobei sich ihr Flügel am Cavo anlehnte. Zwei Bataillone des Infanterieregiments 51 (von den Franzosen auch „Legion Infernale“ genannt) führten an, unterstützt von einem Bataillon des Infanterieregiments 28 Fröhlich aus der westlichen Kolonne. Die Österreicher rückten nahe an die Garde hinter dem kleinen Graben heran, man feuerte unaufhörlich Salen aufeinander ab. Die Garde hatte einen numerischen Vorteil, aber die transylvanischen Bataillone hatten bessere Artillerieunterstützung. Das Gefecht entwickelte sich zu einem ausgedehnten Musketenduell über den Graben des Cavo hinweg auf 30 Meter Entfernung, aber keine Seite konnte die Oberhand gewinnen. Plötzlich verfiel die österreichische Linie im Rauch verhüllt in Stille, als sich ihre Bajonette für einen Angriff senkten. Aber ein weit bedrohlicheres Geräusch kam hinter der Garde heran: der Klang von Pferdehufen signalisierte das Herannahen der österreichischen Kavallerie.
Da die Garde in Linie formiert war, befand sie sich in einer prekären Lage. Monnier hatte sich den Weg nach Villanuova zurückgezogen und Lannes hatte nach dem Rückzug auf die Spinetta-Linie seine Position in den Weingärten nördlich der Alten Straße stabilisiert. Dies alles führte dazu, dass die Garde ohne jegliche Unterstützung blieb, von Lannes durch eine 500 Meter breite Lücke in der französischen Linie getrennt. Erfrischt von ihrem Erfolg bei Marengo, hatten sich Frimonts vier Schwadronen wieder formiert und hielten auf diese Lücke zu, um Lannes´ Position auszuflanken und die Rückzugslinie abzuschneiden. Plötzlich sah Oberst Frimont, ein früherer Husar, seine Gelegenheit und führte die Männer zur Attacke in die Garde nach Norden. Die Flut von Dragonern und Jägern zu Pferd schlug sich ihren Weg in den linken Rücken und überwältigten Bonapartes Elite-Infanterie. Die vielen Emigranten unter den Bussy-Jägern hatten besondere Freude daran, Trophäen zu erbeuten, als die österreichische Kavallerie einen Großteil der linksseitigen Kompanien und die vier abgeprotzten Kanonen umrundete – wer sich widersetzte, wurde rasch verwundet, aber die meisten ergaben sich. Das Infanterieregiment 51 rückte schnell vor, um sich dem Plündern anzuschließen, wo man goldene Ohrringe herausriss und den Franzosen Ausrüstung sowie auch Kleidung abnahm. Etwa einhundert Gardisten folgten auf der Rechten der von Grenadier Aune getragenen Fahne und entkamen in eine kleine Baumgruppe.
In der österreichischen Infanterie ging einiger Zusammenhalt verloren, als Gotteheim verwundet wurde, aber die französische Linie war nun auf der Rechten zusammengebrochen und ein weiterer Vormarsch von Gottesheim und Ott würde Lannes abschneiden. Mit den Resten von Champeauxs Kavallerie, die sich auf seiner Linken reorganisierte, hatte sich Lannes nach Osten zurückgezogen. Nachdem seine Garde zerschlagen war, versuchte Napoleon das Bataillon der 72. Halbbrigade zu einem letzten Kraftakt anzufeuern, aber sie lehnten höflich ab. Lannes forderte, dass Bessiéres mit der Garde-Kavallerie Gottesheims Frontlinie attackieren solle, um den Druck auf seine Infanterie zu mindern, aber der Anblick der zwei Bataillone des Infanterieregiments 28 mit feuerbereiten Musketen brachte eine ähnliche Antwort vom Kavalleriekommandeur. Als seine Männer gegen 16.30 Uhr nach Osten strömten, ritt der Erste Konsul mit Murat ebenfalls zurück.
16.30
Uhr: die österreichische Verfolgung
Als die Grenadiere Marengo von den Franzosen säuberten, wurde Bellegardes Brigade mit dem Infanterieregiment 63 aufgestellt, um gegen Lannes zu marschieren. Seit 8.00 Uhr in Aktion nahm sich die erschöpfte Infanterie Zeit für eine Ruhepause und ließ ihre Leichte Artillerie den Beschuss auf Lannes´ Infanterie fortsetzen. Die Hauptmasse der österreichischen Kavallerie unter Pilatti und Nobili hatte an diesem Tag durch Kellermann einige Schläge einstecken müssen. Als die Sonne in der hohen Luftfeuchtigkeit am Nachmittag hernieder brannte, zerstreuten sich die Reiter, um sich zu verpflegen und Wasser für ihre Pferde zu finden, wie es auch manche Infanteristen taten, und es dauerte einige Zeit, bevor den Verwundeten geholfen wurde. Erschöpft von den Ereignissen des Tages, kümmerten sich die österreichischen Offiziere kaum um die Wiederherstellung der Ordnung, die durch hohe Verluste bereits zerstört war. Trotzdem hatten die Österreicher zehn Kanonen und zwei Haubitzen ebenso wie 3.000 Gefangene genommen, wobei die letzten tausend von diesen über die Brücke marschierten, als die letzte österreichische Einheit, Infanterieregiment 23, wartete, um die Überquerung in der entgegengesetzten Richtung zu beginnen.
Der
südliche Abschnitt
Gardanne und Chambarlhac hielten ihre Linien rund um Spinetta unter schwerem Artilleriefeuer, als immer mehr österreichische Truppen über die Brücke strömten. Melas erließ Befehle für die letzte Verfolgung über ein Schlachtfeld voll mit toten Männern und Pferden. Er hatte sich bei zwei Stürzen an diesem Tag Prellungen zugezogen, so dass er sich für eine Rückkehr in das Hauptquartier in Alessandria entschied, wobei er häufig anhielt, um die Versorgung der Verwundeten zu überprüfen. Zach war mit Freude an seiner Seite: hatte er doch seine Feinde im österreichischen Hauptquartier gedemütigt und Bonaparte überlistet.
Als sich die österreichischen Einheiten wieder formierten, übernahm das Infanterieregiment 47 Kinsky die Aufgabe, den zurückgehenden Franzosen durch Spinetta zu folgen. Nobilis Kavalleriebrigade war in der Nähe: die 3. Leichten Erzherzog-Johann-Dragoner schlossen sich dem Infanterieregiment 47 auf der Neuen Straße an, teilten sich aber an der Kreuzung von Lungafone in zwei Gruppen. Vier Schwadronen wandten sich nach Südosten, um nach Desaix Ausschau zu halten, den sie in der Nähe von Rivalta erwarten würden, und um als Verbindung mit O´Reilly zu agieren; die restliche Division führte den Weg des Infanterieregiments 47 in Richtung Cascina Grossa an. Sie schützten die rechte der vorrückenden verfolgenden Kolonne unter St. Julien. Die 9. Lichtenstein-Dragoner und drei Reserve-Batterien der berittenen Artillerie schlossen sich im Rücken dieser Kolonne an, die vom frischen Infanterieregiment 11 Wallis und Lattermanns fünf Grenadierbataillonen angeführt wurde. Die freiwilligen Plänkler, die den Angriff über die Brücke angeführt hatten, schirmten die Kolonne an, als sie auf Spinetta zuhielt und die Grenadiere ihre Geschütze zusammenzogen. Nachdem er Kaim das Kommando über die Armee anvertraut hatte, hatte Melas St. Julien befohlen, seine Geschütze bis nach San Giuliano zu bringen und dort die Franzosen zu bombardieren, um den Sieg zu vervollständigen.
Ott hatte Gottesheims Männer nach Nordosten befohlen. In besserer Ordnung marschierte die österreichische Linke auf zwei Wegen: Schellenbergs Division über Villanuova in Richtung La Ghilina, während Vogelsang dem Weg östlich von Castel Ceriolo folgte. Die 10. Lobkowitz-Dragoner führten an, klärten nach vorn auf, Frimonts Kavallerie bildete die Verbindung zu Kaim.
Kaim folgte Lannes, bewegte sich mit Bellegardes ermüdeter Brigade in Kolonne heran, gefolgt vom Infanterieregiment 63; die Überreste von Pilattis Kavallerie kamen dahinter. Weitere 600 Meter zurück kam Weidenfelds Grenadierbrigade. Die Österreicher erwarteten jetzt nicht, auf festen Widerstand zu treffen, aber als sie sich den Weingärten an der Alten Straße näherten, kam das Infanterieregiment 52 an der Spitze von Kaims Kolonne unter Feuer von verborgenen Einheiten, die Lannes in den hohen Kornfeldern rund um die Weingärten zurückgelassen hatte, unterstützt durch Einheiten von Champeauxs Dragonern. In diesem schwierigen Gelände, von Gräben durchzogen, konnte Lannes´ Infanterie wirkungsvoll gegen die Spitze von Kaims Kolonne feuern, die sich aufstellte, um die Franzosen zurückzudrängen. Letztendlich eilte das Infanterieregiment 23 über die Straße von Marengo heran und durch die Weingärten, um die französische Flanke anzugreifen. Als diese Verstärkungen durch die Gärten kamen, zogen sich die letzten französischen Truppen über die Alte Straße zurück.
Der
französische Gegenangriff
Victor hatte die Linie am Fontanone sieben Stunden lang mit wenig Unterstützung gehalten und somit Bonaparte Zeit gebracht. Obwohl einige Teile der französischen Armee in Unordnung waren und viele Soldaten halfen, die Verwundeten auf den beiden Straßen vom Feld zu tragen, hielt Lannes seine Linie. Etwa 6.000 Mann blieben gegenüber den Österreichern, die von Marengo heranmarschiert kamen. Von dort aus hatten die französischen Verbände über die beiden Straßen in einer halben Stunde einen soliden Rückzug durchgeführt, wobei Kellermann und Murat mit ihrer Kavallerie die angeschlagene Infanterie abschirmten.
Unterdessen näherte man sich San Giuliano und Bonaparte hatte begonnen, die Versprengten neu zu formieren und die Helfer der Verwundeten in die Einheiten zurückzusenden. Die dringlichste Aufgabe war, die im Dorf liegenden Verwundeten zu schützen. Victors Reste waren südlich der Straße, wo sie mit einem frischen Bataillon der 44. Halbbrigade verstärkt und von Kellermann sowie den restlichen Reitern Champeauxs geschützt wurden; Lannes war nördlich der Straße mit Monnier gestaffelt in seinem rechten Rückraum, um Ott zu beobachten. Auf der Straße stand Murat mit der Gardekavallerie in Reserve.
Napoleon wurde ermutigt, als er Desaixs Adjutanten Savary sah, der berichtete, dass es keine österreichischen Kolonnen aus Richtung Genua gab und dass Desaixs Männer aus Rivalta gegen 17.30 Uhr eintreffen würden. Um 17.00 Uhr erreichte ein vom Schlamm verdreckter Desaix Bonaparte in der Nähe von San Giuliano. Der Erste Konsul wollte Boudets Division zum Decken des Rückzugs auf Torre di Garrofoli einsetzen, aber Desaix erkannte, dass eine erneuerte Schlacht gewonnen werden konnte, mit Marmonts Geschützen in Unterstützung – fünf waren noch im Dienst, fünf waren links in Reserve an der Scrivia und sechs kamen von Boudet. Sie benötigten Zeit, um sich zu organisieren, so sollte die 9. Leichte Halbbrigade Zachs Kolonne südlich der Neuen Straße angreifen und dann einen kämpfenden Rückzug bis kurz vor Victor durchführen. Marmont würde seine Batterie nördlich der Straße vor Guenands Brigade formieren, die in gemischter Ordnung nahe der Straßengabelung bei Cascina Grossa aufgezogen war. Als sich Boudets Truppen gegen 17.00 Uhr näherten, schwenkte die 9. Leichte Halbbrigade nach Westen, um dem Schwarm der Versprengten auszuweichen, der noch auf der Straße war, und eilte zu seiner vorgesehenen Position.
17.00
bis 19.00 Uhr: Das Blatt wendet sich
De Briey marschierte nun auf dem Weg nach Cascina Grossa mit dem Infanterieregiment 47 und einer Division der 3. Leichten Erzherzog-Johann-Dragoner. St. Juliens Kolonne, begleitet von Zach und dem restlichen Stab, hatte eine Abkürzung auf der Neuen Straße genommen, um Lungafone zu umgehen, und war in den Weingärten. Mit ihren frischeren Truppen machten der österreichische rechte Flügel und Otts Truppe Fortschritte, während nach einem späten Start und französischem Widerstand Kaims Kolonne mit einigem Abstand dahinter war und gerade erst begann, sich östlich der Weingärten wieder aufzustellen. Als die österreichische Linie die Form eines Sichelbogens einnahm, drängten einige Stabsoffiziere Zach, den Vormarsch zu verlangsamen. Er hörte nicht auf sie – falls die Franzosen durch San Giuliano getrieben werden konnten, wäre die Straße nach Tortona offen.
Plötzlich kam die Verfolger in Schwierigkeiten: die Plänkler, die Zachs Bataillone abschirmten, hatten sich im offenen Gelände östlich der Weingärten zu weit nach vorn bewegt und wurden von den 1. Husaren in die Flucht geschlagen. Ohne Kenntnis davon zu haben, kamen die führenden Kompanien des Infanterieregiments 11 Wallis unter Feuer von 2.000 Soldaten der 9. Leichten Halbbrigade, als sie aus den Weingärten auftauchten. Bei dem Versuch, sich unter anhaltendem Musketenfeuer aufzustellen, geriet die österreichische Infanterie in Unordnung. Die Offiziere brachen die Linie ab und versuchten ihre Männer hinter Lattermanns Grenadieren zu sammeln, die unterdessen aufgezogen waren, um Boudets leichte Infanterie anzugreifen. Die Ordnung im Infanterieregiment 11 war wieder hergestellt, als die Grenadiere vorrückten, geführt von ihren Bataillonsgeschützen, welche das 9. Leichte Regiment beschossen, als dieses in Richtung auf den Rest der Division an der Straßengabelung zurückfiel. Über freieres Gelände vorrückend, bewegte Zach die drei Batterien der berittenen Artillerie heran, um Guenand und Marmont nördlich der Straße zu beschießen. Dahinter bewegten sich die 9. Leichten Lichtenstein-Dragoner von der Straße weg, um Aufstellung zu nehmen.
Desaix schloss die 9. Leichte Halbbrigade wieder an, als sie ihren Haltepunkt südwestlich der Straßengabelung erreicht hatte. Marmonts Geschütze mussten das schlimmste während des Duells nördlich der Straße aushalten, so dass als Schutzmaßnahme Desaix Kellermann nach Norden auf Guenands Rechte befahl, da Monnier noch weiter zurück war. Victor befand sich zusammen mit Gardanne links gegenüber von De Brieys Truppen, die von Cascina Grossa her vorrückten.
Als die Grenadiere gestaffelt vorrückten, bewegte Kellermann seine 400 schweren Reiter in Linie hinter Guenand und drehte dann nach links, um durch die Weingärten zu gelangen und die Rechte der Infanterie zu verankern. Die Grenadiere wechselten eine letzte Salve mit der 9. Leichten Halbbrigade auf 20 Schritt und beide Seiten bereiteten sich auf den Kampf mit dem Bajonett vor. Als Guenand mit seinen fünf Bataillonen heranmarschierte, zog Marmont seine Geschütze vor den nahenden Österreichern zurück. Drei auf seiner Linken feuerten eine letzte Ladung in die Grenadiere, wodurch die Flanke des Bataillons in Unordnung geriet. Hinter der österreichischen Geschützlinie bereiteten sich die 9. Leichten Lichtenstein-Dragoner zum Angriff vor, als ihre Kanonen zu schweigen begannen.
Als Kellermann in das offene Gelände vordrang, sah er seine Gelegenheit: indem seine Linie in Schwadronen eindrehte, formierte er Kolonne und attackierte durch die Lücke zwischen der Artillerie. Sein Ziel war die aufgelöste linke Flanke der österreichischen Grenadiere, die er mit der ersten Hälfte seiner Einheit traf, als gerade die 9. Leichte Halbbrigade vormarschierte, um den Gegner frontal zu attackieren. Von vorn und von links angegriffen, fanden sich die drei Grenadierbataillone bald tot, verwundet oder in Gefangenschaft wieder. Im Moment seines Erfolges wurde Desaix durch ein Geschoss in die Brust getötet, aber seine Männer rückten vor, jagten die Geschütze der Grenadiere, die erfolglos versuchten, zu entkommen. Kellermann drehte seine Männer gegen das Infanterieregiment 11, unterstützt von der 9. Leichten Halbbrigade, was ähnliche Resultate brachte.
Der zweite Teil von Kellermanns Kolonne schwang sich nach rechts in Linie, um die Leichten Dragoner zu attackieren. Die österreichischen Geschütze wurden rasch aufgeprotzt und eilig durch die Linie der Dragoner, die sich durch eine kleine Explosion eines Munitionswagens weiter auflöste, zurückgebracht. Die Dragoner versuchten eine Gegenattacke, aber ungeordnet wurden sie von der französischen Kavallerie problemlos überwältigt. Sie brachen auseinander und flohen, die meisten nach Norden, um sich Ott anzuschließen. Zach hatte gesehen, wie Kellermann die Attacke vorbereitete und die Gefahr erkannt, worauf er zur Kavallerie heranritt, um diese sofort attackieren zu lassen. Als er geritten kam, rauschte bereits die französische 2. Kavallerie herbei und nahm Zach, der von seinem Stab getrennt war, gefangen.
Auf der rechten der Grenadiere versuchte St. Julien die Ordnung wiederherzustellen. Nobili sah., in welchen Schwierigkeiten die österreichischen Truppen waren, und attackierte mit seiner Brigade, meist noch in Straßenkolonne. Als die österreichische Kavallerie um die 9. Leichte Halbbrigade herumwirbelte, rettete Korporal Altmann von den 4. Karaczay-Dragonern St. Julien, der auf der österreichischen Rechten bereits gefangengenommen war. Es war ein kleiner Erfolg, als sich die verfolgende Kolonne auflöste und Nobilis Brigade allmählich über die alte Straße floh.
Panische
Flucht
Nachdem die Weingärten östlich von Marengo vom Feind gesäubert waren, war Kaims Infanterie von der ersten Kavallerie in die Flucht geschlagen worden, aber dies verursachte wenig Schaden. Als sich das Infanterieregiment 23 an die Flanke von Bellegardes Bataillonen heranbewegte, wurde die Linie überdehnt und brüchig; nur die Reste des Infanterieregiments 63 standen als zweites Treffen dahinter in der Nähe der Weingärten. Plötzlich kam durch das hohe Korn eine Flut von panischen Geschützmannschaften und Nobilis Dragoner, die durchbrachen und beträchtliche Unordnung verursachten. Trotzdem wurde wieder etwas Ordnung hergestellt, bevor die ersten Franzosen auf einer leichten Anhöhe im Zentrum des Schlachtfeldes auftauchten.
Mit einem furchterregenden Schrei führte Guenand seine Infanterie den Hang hinab in Kaims angeschlagene Linien. Obwohl sie von Nobilis Kavallerie in kleinen Gruppen angegriffen wurde, war die französische Infanterie bald unter den Österreichern. Erschöpft von einer harten Schlacht unter der italienischen Sonne, brach Kaims Infanterie auseinander. Im zweiten Treffen blieb das Infanterieregiment 63 in besserer Ordnung und war in der Lage, sich durch die Weingärten zurückzuziehen, um sich der Linken von Weidenfelds Grenadieren anzuschließen, als beide Seiten einen heftigen Nahkampf nördlich der Alten Straße austrugen.
Auf der österreichischen Rechten hatte es noch keine völlige Katastrophe gegeben. Die Grenadiere unter Paar waren mit Teilen des Infanterieregiments 11 fast intakt entkommen und blockierten den französischen Vormarsch auf der Straße von San Giuliano, wobei sie verschiedene Kavallerieattacken abwehrten, als die 9. Leichte Halbbrigade folgte. Weiter südlich war De Briey zu weit entfernt, um einzugreifen und als Gardannes Infanterie vorrückte, befahl er dem Infanterieregiment 47, sich westlich von Cascina Grossa zurückzuziehen. Die gesamte französische Infanterie rückte nun rasch vor, die eher widerwilligen Versprengten wurden wieder der Linie angeschlossen, um sie zu verstärken.
Ähnlich wie De Briey war Ott nicht an den letzten Kämpfen im Zentrum beteiligt. Als er sah, wie sich die Gefechte westlich von San Giuliano entwickelten, befahl er seinen Kolonnen, deren Spitzen mit denen Zachs auf einer Linie waren, in dichter Ordnung zu halten, während die Bataillone des Zentrums bereits von ihren Kommandeuren in Linie nach Süden gedreht wurden. Als sich die Kämpfe jedoch rasch in Richtung Marengo zurückbewegten, beschloss Ott, dass es besser wäre, seine eigenen Truppen durch einen Rückzug über Castel Ceriolo in Sicherheit zu bringen.
Bonaparte blieb angesichts seiner Rechten nervös. Er befahl Chambarlhac und Lannes, Otts zurückgehende Kolonnen anzugreifen. Lannes attackierte das Infanterieregiment 57, das Schellenbergs Kolonne anführte, während die 96. Halbbrigade das Infanterieregiment 51 im Rücken angriff. Als die ersten österreichischen Einheiten Castel Ceriolo erreichten, erfuhren sie eine Art Wiedersehen: einige von St.-Cyrs Männern (unter Monnier) waren in den Weingärten geblieben, waren dann wieder zurück zum Dorf marschiert und hatten es besetzt. Im Norden führte Jean Rivaud seine beiden Kavallerieregimenter über die Straße von Sale heran und attackierte, nachdem er die zwei Schwadronen der 10. Lobkowitz-Dragoner geworden hatte, den Rest dieses Regiments, der sich mit einigen der 9. Dragoner neu formiert hatte. Rivaud war der Bessere in diesem Duell, aber Otts Infanterie gelang es, ihn wegzutreiben.
Als die Dunkelheit anbrach, befahl Vogelsang dem Infanterieregiment 18 in den Rücken seiner Kolonne, den Weg durch das Dorf frei zu machen, bevor es die französische Infanterie in Verteidigungszustand bringen konnte. Nach heftigem Kampf öffnete das Infanterieregiment 18 den Hauptdurchlass nach Westen und trotz seiner schweren Verwundung dirigierte Vogelsang die Truppen zurück zum Brückenkopf an der Bormida, während die 70. Halbbrigade von hinten auf sie feuerte. Während der Nacht schloss sich Otts relativ unversehrte Streitmacht wieder der Hauptarmee an.
Die
letzte Nachhut
Als Sturmwolken gegen 19.00 Uhr den Himmel verdunkelten, überquerten die österreichischen Versprengten den Fontanone, aber den Offizieren gelang es nicht, ihre verängstigten Männer hinter dem Graben neu zu formieren. Schneller als sie Aufstellung nehmen konnten, wurden sie von der Kavallerie niedergeritten, drängten zurück in Richtung des Bormida-Brückenkopfs. In völliger Auflösung sprangen viele in den Graben und die Brüstung in den Verteidigungsanlagen, ritten die Verwundeten nieder, die dort behandelt wurden.
Nur Weidenfelds sechs Grenadierbataillone hinter den Weingärten blieben in guter Ordnung, formierten sich über die beiden Straßen nördlich von Spinetta, ungeachtet der Flüchtenden, die durch ihre Linie liefen. Das französische Zentrum hatte während des Tages einen langen Weg zurückgelegt und, abgesehen von Erkundung, griff Kellermanns Kavallerie die frischen Grenadiere nicht an, denen sich die Infanterieregimenter 63 und 47 auf deren Flügeln angeschlossen hatten, um die in Panik befindlichen Truppen zu schützen. Erst als die 9. Leichte Halbbrigade, gefolgt von Gardanne, auf der österreichischen Rechten erschien, fielen sie auf Marengo und die dortige Brücke zurück. Frimonts Kavallerie war im Norden unter Druck, so dass sie mit den wieder formierten 3. Johann-Dragonern verstärkt wurde. Als sie sich heranbewegte, attackierten Kellermann in der Front und die Gardekavallerie von rechts, worauf sie über den Fontanone zurückfloh.
Gegen 18.00 Uhr war O´Reilly hinter Frugarolo marschiert und patroullierte an der Orba. Als er nach Norden zurückfiel, deckten seine leichten Truppen Weidenfelds Rückzug, aber die Franzosen versuchten nochmals, die Verfolgung aufzunehmen. In dichten Bataillonsmassen formiert und von den Husaren unterstützt, wiesen O´Reillys Warasdin-Kreuz- und Ottocac-Grenzer sie ab, bis Weidenfeld zurück an der Bormida war. Zusammen mit Frimont fochten sie eine letzte Nachhutaktion in Marengo, bevor man über den Fontanone zurückging.
Dahinter versuchten fliehende Artilleriemannschaften seitlich der Brücke die Bormida zu durchqueren, verloren dabei Geschütze und Munitionswagen im Morast. Die erfolgreich durch den Brückenkopf gekommenen Truppen wurden in die Lagerplätze zurückbeordert, die sie am vorherigen Tag eingenommen hatten. Die Franzosen waren ebenfalls erschöpft und ihre aktive Verfolgung legte sich rund um Marengo, als die Gardekavallerie gegen 22.00 Uhr durch den Ort ritt. Als die Nacht sternenklar wurde, bewegten sich Victors Männer auf der Straße nach Pedrabona, um ähnliche Positionen wie am letzten Morgen zu beziehen, aber auf die Befestigungen des Brückenkopfes wurde kein Angriff gemacht.
Die österreichischen Verluste betrugen 963 Tote, 5.518 Verwundete und 2.921 Gefangene, zusammen mit zehn Fahnen, 12 Geschützen, zwei Haubitzen und 13 Munitionswagen. Die üblichen französischen Behauptungen von 700 eigenen Verlusten verdeckten die Gesamtzahl in der gleichen Größenordnung wie beim Gegner